Ds Bachhüs

 

Brot war und ist ein wichtiges Lebensmittel. In früheren Jahren wurde es mehrheitlich gemeinsam in einem Backhaus gebacken. So auch im «Bachhüs» in Oberwald. Das «Bachhüs» war aber nicht nur ein wichtiger Ort für die Brotherstellung, sondern auch ein sozialer Mittelpunkt im Dorfleben. Es war ein Ort, an dem man sich traf, sich Zeit für einander nahm um zu reden, zu diskutieren und Probleme zu erötern. Einfach einer dieser Orte der Begegnung wie auch z. B. das «Büchhüs», «Wäschhüs», die Metzgätä, das Gmewäärch oder der «Hewwzug». Manch eine Frau oder ein Mann konnten hier das Herz ausschütten. Man war für einander da, hatte und nahm sich Zeit zuzuhören – etwas, das in unserer hektischen Zeit heute leider oft fehlt.

In Betrieb bis 1971

Bachhüs im Winter (Altjahrsbachätä)

Die Familien in Oberwald buken ihr eigenes Brot regelmässig im Dorfbachhüs in Unterwassern. Das stetig wachsende Bedürfnis nach selbst gebackenem Brot führte dazu, dass 1942 eingangs Dorf ein zusätzliches Bachhüs gebaut wurde. Kurz darauf brannte durch einen Schaden im Ofen der obere Teil des Bachhüs in Unterwassern ab. 1952 wurde der abgebrannte Teil wieder aufgebaut. Aus Kostengründen wurde das Gebäude damals aber nur mit Wellblech gedeckt und nicht wie früher mit Schindeln. Das Bachhüs konnte so aber nun wieder benutzt werden. Vier Familien buken darin noch bis 1971 alle sechs Wochen ihr eigenes Brot. Danach wurde das Bachhüs sich selbst überlassen.

Erwachen aus dem Dornröschenschlaf

30 Jahre später erweckte Bernhard Christian das Bachhüs in Unterwassern wieder aus seinem Dornröschenschlaf. Zweimal im Dezember wurde nun wieder im Bachhüs gebacken. Zuvor hatte sich Bernhard – mit der Hilfe von den Ehemaligen, die das Backen noch berrschten – das Wissen und die Technik des Ofenheizens angeeignet und die einzelnen Schritte und die Merkmale der „Ofensprache“ in einer Dokumentation festgehalten. Die ersten selbstgebackenen Walliserbrote aus dem Bachhüs gingen in der Folge jeweils als kulinarische Erinnerung am Ende eines Langlaufwochenendes an die Vaterländer (Abonnenten der früheren Luzerner Zeitung „Vaterland“).

 

Ursprünglicher Charakter

All die Jahre, in denen das Bachhüs nicht genutzt wurde, wurde es auch nicht mehr gewartet. Entsprechend schlecht war sein Zustand. Das Wellblechdach war undicht, die untersten Holzringe verfault und die Teigmulde war im Verlauf der Jahre dem Wurm verfallen. Als erstes wurde die Teigstube wieder auf Vordermann gebracht und das Dach provisorisch abgedichtet. Die verfaulten Holzringe wurden durch eine Mauer ersetzt.  Nebst vielen kleinen Ausbesserungen konnte 2008 dank der tatkräftigen Unterstützung (finanzieller Art und in Fronarbeit) das Wellblechdach ersetzt werden – und zwar wieder durch ein ursprüngliches Lärchen-Schindeldach. So erstrahlt das Bachhüs seit einigen Jahren nun wieder (beinahe) in seinem Originalzustand und begrüsst seine Gäste mit seinem ursprünglichen Charakter.

Bachhüs Oberwald